Ideenwettbewerb Agrar & Ernährung

Insekten-Fabrikanten

madebymade GmbH gewinnt den Ideenwettbewerb Agrar & Ernährung 2019 - Drei junge Männer produzieren Protein aus Insekten. Das aber bald im großen Stil.

Kai Hempel, Henrik Reichstein und Dr. Jonas Finck haben die Jury mit ihrem modularen Konzept zur Herstellung von nachhaltigem Proteinmehl für den Futtermittelmarkt überzeugt. Mit der Technik kann flexibel, individuell und standortunabhängig auf verschiedene Zielgruppen eingegangen werden, ohne dass Planungskosten entstehen. Für das hochwertige Produkt züchtet das Trio Larven der Soldatenfliege. „Wir sind überzeugt, dass die Kreislaufwirtschaft intensiviert werden muss und unsere nachhaltig hergestellten Proteine aus Insekten vom Futtermittelmarkt dringend benötigt werden“, sagt der 32-jährige promovierte Biologe Jonas Finck. Gemeinsam mit seinen Kollegen Kai Hempel und Henrik Reichstein züchtet er in der eigenen madebymade GmbH Larven der Soldatenfliege und verarbeitet diese zu Proteinmehl. „Die Prognose der Welternährungsorganisation lautet, dass im Jahr 2050 im Vergleich zum Jahr 2007 rund 50 Prozent mehr Proteine benötigt werden “, betonen die Firmengründer. Diese Entwicklung zeige die Notwendigkeit, neue Proteinquellen zu erschließen.


Die Landwirte der Agrarprodukte Kitzen eG sind sich dieser Notwendigkeit bewusst und unterstützen die jungen Gründer im Erreichen ihrer Ziele. Seit gut einem Jahr werden die Hallen einer ehemaligen Pelletieranlage bei Leipzig von der Agrargenossenschaft an die Gründer vermietet. In der dortigen Pilotanlage wurde das Konzept für den Industriemaßstab erfolgreich demonstriert. „Dieser Schritt ist essenziell – denn erst die industrialisierte Herstellung von Insektenproteinen macht diese Proteinquelle für die Futtermittelindustrie interessant“, berichtet Finck.

Mit ihrem modularen Konzept kann flexibel, individuell und standortunabhängig auf verschiedene Zielgruppen eingegangen werden, ohne dass Planungskosten entstehen. Zusätzlich zu Futtermühlen, die das Proteinmehl in der Tierernährung verwerten könnten, gibt es viel Potenzial. Organische Reststoffe können von den Larven verwertet werden. Das führe zu regelmäßigen Anfragen von Reststoffproduzenten aus dem In- und Ausland. „In unserer Pilotanlage verwerten wir rund 500 Kilogramm Obst- und Gemüsereststoffe pro Woche.“ Das ernährt 200 kg lebende Larven, aus denen 50kg Proteinmehl hergestellt werden.

Impressionen vom Zukunftsdialog Agrar & Ernährung 2019


Die Nachhaltigkeit wird durch die bei der Produktion entstehenden Nebenprodukte unterstützt. Die gezüchteten Larven der Soldatenfliege erzeugen verwertbaren Dung. Dieses rieselfähige Substrat weist gute Düngereigenschaften auf. Außerdem sei es nicht ausgeschlossen, dass tierische Proteine künftig wieder als Futtermittel in der Hühnerzucht eingesetzt werden. Neben dem Markteintritt in etablierte Absatzmärkte wie die Heimtierernährung steht dem Trio also durchaus eine Vielzahl an weiteren Optionen offen. „Auch die Aquakultur ist ein Wachstumsmarkt, der auf tierische Proteine zur Fütterung angewiesen ist.“ Die Gründer haben neben der Wirtschaftlichkeit ihres Produkts den Anspruch, damit eine nachhaltige Proteinquelle zu erschließen. „Weder die Verwendung von Soja noch Fischmehl erfüllt dieses Kriterium. Die Fanggründe sind kaum kontrollierbar, der Sojaanbau zerstört ganze Landstriche.“ Ihr Konzept kann überzeugen.

Das Trio konnte die Golzern Holding früh als Investor gewinnen. Der sächsische Investor unterstützt das Start-up dabei, eine marktreife Industrieanlage zu realisieren. „Wir sind jetzt in Gesprächen mit Banken“, so Finck. Nach dem Bau der Anlage steht der Verwertung von Reststoffen und der Produktion von nachhaltigen Proteinen nichts mehr im Wege

Die Müllentsorgung kann ein weiteres Geschäftsfeld werden.

Das Preisgeld in Höhe von 15.000 Euro stiftete RaboDirect, die Direktbankenmarke der Rabobank, die weltweit Projekte zur Sicherung der Lebensmittelversorgung und Ressourcenschonung fördert.

Die Jungunternehmer konnten sich bei der Jury gegen das ebenfalls nominierte Start-up noyanum und die Doktorandin Marit Gillmeister durchsetzen.

Foto: Natalie Färber